Bankroll Management: Das Fundament jeder erfolgreichen Wettstrategie

Geordneter Schreibtisch mit Notizbuch und Stift symbolisiert diszipliniertes Finanzmanagement

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Warum die meisten Wetter scheitern

Es gibt eine unbequeme Wahrheit, über die in der Welt der Sportwetten ungern gesprochen wird: Die überwältigende Mehrheit der Menschen, die regelmässig wetten, verliert langfristig Geld. Das liegt nicht nur daran, dass die Buchmacher ihre Margen einkalkulieren. Es liegt vor allem daran, wie Menschen mit ihrem Geld umgehen. Oder besser gesagt: wie sie es nicht tun.

Bankroll Management ist der unspektakuläre, aber entscheidende Teil des Wettens, den fast alle übersehen. Es ist nicht sexy. Es verspricht keine schnellen Gewinne. Es macht keinen Spass, darüber nachzudenken, wie man sein Geld einteilt, wenn man eigentlich auf das grosse Spiel wetten will. Aber ohne solides Bankroll Management sind alle anderen Fähigkeiten wertlos. Die beste Analyse, das tiefste Sportverständnis, das Gespür für Value – all das nützt nichts, wenn das Geld nach einer Pechsträhne aufgebraucht ist.

Die Geschichte wiederholt sich tausendfach: Jemand beginnt zu wetten, hat anfangs Glück, erhöht die Einsätze, verliert, versucht die Verluste aufzuholen, erhöht weiter, verliert alles. Das Muster ist so vorhersehbar, dass man die Uhr danach stellen könnte. Und es betrifft nicht nur Anfänger. Auch erfahrene Wetter, die eigentlich wissen sollten, wie es funktioniert, fallen immer wieder in dieselbe Falle.

Der Grund ist psychologisch. Menschen sind schlecht darin, mit Geld umzugehen, wenn Emotionen im Spiel sind. Und beim Wetten sind immer Emotionen im Spiel. Die Aufregung eines knappen Sieges, die Frustration einer unverdienten Niederlage, die Gier nach dem grossen Gewinn, die Angst vor dem Verlust – all diese Gefühle sabotieren rationale Entscheidungen. Bankroll Management ist der Versuch, einen Rahmen zu schaffen, der diese emotionalen Entscheidungen verhindert oder zumindest begrenzt.

Was eine Bankroll ist und wie man sie festlegt

Person plant Budget mit Notizen und organisiert Finanzen

Bevor wir über Management sprechen, müssen wir über die Bankroll selbst sprechen. Die Bankroll ist der Geldbetrag, der ausschliesslich für Sportwetten reserviert ist. Nicht das Gehalt. Nicht das Ersparte. Nicht das Geld für die Miete. Sondern ein separater Betrag, dessen Verlust keine Auswirkungen auf das tägliche Leben hat.

Das klingt offensichtlich, wird aber routinemässig ignoriert. Menschen wetten mit Geld, das sie eigentlich brauchen. Sie überzeugen sich selbst, dass sie es schon zurückgewinnen werden. Sie unterschätzen, wie schnell aus einem kleinen Verlust ein grosser werden kann. Die erste Regel des Bankroll Managements ist daher: Die Bankroll muss verlierbar sein. Wirklich verlierbar. Wenn der Gedanke an einen Totalverlust Panik auslöst, ist die Bankroll zu gross.

Die Höhe der Bankroll hängt von den persönlichen Umständen ab. Es gibt keine universelle Zahl. Was für einen Studenten angemessen ist, wäre für einen Berufstätigen lächerlich klein, und umgekehrt. Die Faustregel: Die Bankroll sollte ein Betrag sein, den man innerhalb einiger Monate aus dem verfügbaren Einkommen ansparen kann. Für manche sind das 200 Franken, für andere 2000, für wieder andere mehr. Der absolute Betrag ist weniger wichtig als die psychologische Bedeutung. Es muss Geld sein, mit dem man entspannt umgehen kann.

Die Bankroll sollte von anderen Finanzen getrennt sein. Idealerweise auf einem separaten Konto, oder zumindest klar dokumentiert. Diese Trennung hat praktische und psychologische Funktionen. Praktisch verhindert sie, dass man versehentlich Geld verwendet, das für andere Zwecke gedacht war. Psychologisch schafft sie eine klare Grenze: Was in der Bankroll ist, ist für Wetten. Was draussen ist, ist tabu.

Ein häufiger Fehler ist die zu kleine Bankroll. Wer mit 50 Franken anfängt und 2-Franken-Wetten platziert, hat nach 25 verlorenen Wetten in Folge nichts mehr. Das klingt nach viel, aber Verlustserien von 10 oder 15 Wetten sind bei Sportwetten nicht ungewöhnlich, auch bei kompetenten Wettern. Eine zu kleine Bankroll bietet keinen Puffer für unvermeidliche Schwankungen. Die Empfehlung: Mindestens 50 Einheiten, besser 100. Was eine Einheit ist, besprechen wir gleich.

Flat Betting: Die konservative Grundlage

Die simpelste und für die meisten Menschen beste Methode des Bankroll Managements ist das Flat Betting. Das Prinzip ist denkbar einfach: Man setzt bei jeder Wette denselben Betrag, unabhängig davon, wie sicher man sich fühlt.

Wenn die Bankroll 1000 Franken beträgt und man 2 Prozent pro Wette setzt, ist jeder Einsatz 20 Franken. Egal ob es sich um eine vermeintlich sichere Wette handelt oder um einen riskanten Aussenseiter. Egal ob man gestern zehn Wetten gewonnen oder zehn verloren hat. Der Einsatz bleibt konstant.

Diese Methode erscheint langweilig. Wo bleibt die Flexibilität, mehr zu setzen, wenn man sich seiner Sache sicher ist? Genau das ist der Punkt. Die menschliche Einschätzung, wie sicher eine Wette ist, korreliert oft nicht mit der tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeit. Wir überschätzen unsere Sicherheit systematisch. Flat Betting schützt vor dieser Selbstüberschätzung.

Ein weiterer Vorteil des Flat Betting ist die einfache Berechnung. Man muss nicht vor jeder Wette komplizierte Formeln anwenden. Man muss nicht überlegen, ob diese Wette nun 3 Prozent oder 5 Prozent der Bankroll wert ist. Der Einsatz ist fix. Das reduziert kognitive Belastung und eliminiert eine weitere Fehlerquelle.

Die Wahl des Prozentsatzes ist eine Abwägung zwischen Wachstumspotenzial und Sicherheit. Konservative Wetter setzen 1 Prozent pro Wette. Bei einer 1000-Franken-Bankroll sind das 10 Franken pro Einsatz. Das bedeutet: Selbst eine Verlustserie von 50 Wetten in Folge würde nur die Hälfte der Bankroll aufbrauchen. Solche Serien sind extrem unwahrscheinlich, sodass diese Strategie praktisch eine Totalverlust-Versicherung darstellt.

Aggressivere Wetter setzen 3 bis 5 Prozent. Das beschleunigt das potenzielle Wachstum, erhöht aber auch das Risiko. Bei 5 Prozent pro Wette und einer Verlustserie von 20 Wetten ist die Bankroll halbiert. Solche Serien kommen vor, auch bei guten Wettern. Die Empfehlung für die meisten: 2 Prozent als goldene Mitte. Genug, um spürbare Gewinne zu ermöglichen, aber sicher genug, um Durststrecken zu überstehen.

Das Kelly-Kriterium: Mathematische Optimierung

Mathematische Formel auf Papier mit Stift zeigt systematische Berechnung

Für fortgeschrittene Wetter existiert eine elegantere Methode: das Kelly-Kriterium. Entwickelt wurde es 1956 von John L. Kelly Jr., einem Wissenschaftler bei Bell Labs, ursprünglich für ein völlig anderes Problem – die Optimierung von Signalübertragungen. Später erkannten Wetter und Investoren, dass dieselbe Mathematik auf ihre Problemstellung anwendbar ist.

Die Grundidee ist bestechend: Der optimale Einsatz hängt davon ab, wie gross der eigene Vorteil gegenüber dem Buchmacher ist. Je grösser der Vorteil, desto mehr sollte man setzen. Je kleiner der Vorteil, desto weniger. Bei keinem Vorteil gar nichts. Das klingt intuitiv richtig und ist mathematisch beweisbar optimal für langfristiges Wachstum.

Die Formel lautet: Einsatz in Prozent der Bankroll gleich (Wahrscheinlichkeit mal Quote minus 1) geteilt durch (Quote minus 1). Das ist weniger kompliziert als es aussieht. Nehmen wir ein Beispiel: Man schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Heimsiegs auf 55 Prozent. Die Quote ist 2,00. Die Rechnung: (0,55 mal 2,00 minus 1) geteilt durch (2,00 minus 1) ergibt (1,10 minus 1) geteilt durch 1, also 0,10 oder 10 Prozent. Das Kelly-Kriterium empfiehlt, 10 Prozent der Bankroll zu setzen.

Das Problem ist offensichtlich: 10 Prozent ist viel. Bei einer Fehleinschätzung der Wahrscheinlichkeit – und solche Fehleinschätzungen sind häufig – kann das Kelly-Kriterium zu aggressiv sein. Wenn man die Wahrscheinlichkeit auf 55 Prozent schätzt, sie aber tatsächlich nur 48 Prozent beträgt, empfiehlt Kelly trotzdem einen signifikanten Einsatz, obwohl die Wette keine Value hat.

Aus diesem Grund nutzen die meisten praktischen Anwender eine modifizierte Version: das Fractional Kelly. Statt den vollen Kelly-Einsatz zu setzen, nimmt man nur einen Bruchteil davon. Half Kelly bedeutet die Hälfte des berechneten Einsatzes, Quarter Kelly ein Viertel. Bei unserem Beispiel wäre Half Kelly also 5 Prozent statt 10, Quarter Kelly nur 2,5 Prozent.

Diese Abschwächung reduziert das Wachstumspotenzial, aber auch das Risiko erheblich. Studien und Simulationen zeigen, dass Fractional Kelly in der Praxis oft besser funktioniert als Full Kelly, weil es die unvermeidlichen Fehler in der Wahrscheinlichkeitsschätzung besser verzeiht. Die Empfehlung: Selbst wer das Kelly-Kriterium anwenden will, sollte mit Quarter Kelly beginnen und erst nach langer erfolgreicher Anwendung zu Half Kelly übergehen. Full Kelly ist für fast niemanden geeignet.

Psychologische Fallen und wie man sie vermeidet

Bankroll Management ist zu 20 Prozent Mathematik und zu 80 Prozent Psychologie. Die Formeln sind einfach. Sie zu befolgen ist schwer.

Das Chasing-Problem ist die häufigste und teuerste psychologische Falle. Nach Verlusten entsteht der Impuls, die Einsätze zu erhöhen, um das verlorene Geld schnell zurückzugewinnen. Dieser Impuls ist menschlich, aber katastrophal. Er führt dazu, dass Verlustserien nicht nur die Bankroll dezimieren, sondern sie komplett vernichten.

Die Mathematik ist gnadenlos: Nach einer Verlustserie ist die Bankroll bereits kleiner. Der relative Einsatz ist also schon gestiegen, auch ohne bewusste Erhöhung. Wenn man dann zusätzlich die absoluten Einsätze erhöht, um schneller ins Plus zu kommen, multipliziert man das Risiko. Ein Beispiel: Die Bankroll war 1000 Franken, nach Verlusten sind noch 600 übrig. Statt nun mit 2 Prozent von 600 Franken zu wetten, also 12 Franken, erhöht man auf 30 Franken pro Wette, um schneller wieder bei 1000 zu sein. Das sind plötzlich 5 Prozent der verbleibenden Bankroll statt 2 Prozent. Die nächste Verlustserie trifft umso härter.

Die Lösung: Striktes Festhalten an der prozentualen Regel. Der Einsatz passt sich automatisch der Bankroll an. Bei 600 Franken und 2 Prozent sind es 12 Franken, bei 400 Franken wären es 8 Franken. Die Einsätze sinken mit der Bankroll. Das fühlt sich falsch an, ist aber richtig. Es schützt das verbleibende Kapital und gibt Zeit, die Verlustphase zu durchstehen.

Die Überheblichkeit nach Gewinnen ist das spiegelbildliche Problem. Eine erfolgreiche Phase verführt dazu, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen und die Einsätze zu erhöhen. Man fühlt sich unbesiegbar. Die Quoten scheinen alle Value zu haben. Warum nicht grösser setzen, wenn man offensichtlich so gut ist? Das Problem: Gewinnphasen sind oft zumindest teilweise Glück. Die Regression zum Mittelwert wird kommen. Und wenn die Einsätze während der Glücksphase erhöht wurden, treffen die unvermeidlichen Verluste umso härter.

Die Langeweile-Falle betrifft Wetter, die strikt nach Plan vorgehen, aber frustriert sind, weil es so langsam geht. Mit 2-Prozent-Einsätzen dauert es Jahre, um die Bankroll zu verdoppeln – wenn überhaupt. Die Versuchung ist gross, die Disziplin aufzugeben und grösser zu setzen, nur um schneller voranzukommen. Das ist verständlich, aber gefährlich. Bankroll Management ist eine langfristige Strategie. Wer sie zugunsten kurzfristiger Aufregung aufgibt, wird langfristig scheitern.

Die Rolle von Verlustlimits und Pausen

Ruhiger Moment der Reflexion mit Blick aus dem Fenster

Neben den Einsatzregeln gehören Verlustlimits zum vollständigen Bankroll Management. Sie definieren, wann man aufhört – nicht für immer, aber für eine bestimmte Zeit.

Ein tägliches Verlustlimit könnte beispielsweise 5 Prozent der Bankroll betragen. Wenn dieses Limit erreicht ist, werden an diesem Tag keine weiteren Wetten platziert, unabhängig davon, wie attraktiv die Gelegenheiten erscheinen. Das schützt vor emotionalem Wetten nach Verlusten und gibt Zeit, sich zu beruhigen.

Ein wöchentliches oder monatliches Verlustlimit bietet zusätzlichen Schutz. Wenn die Bankroll in einem Monat um 20 Prozent gefallen ist, ist es Zeit für eine Pause. Nicht weil man aufgibt, sondern weil etwas nicht stimmt. Vielleicht ist die Analyse fehlerhaft. Vielleicht ist die Sportart in einer Phase, die man nicht versteht. Vielleicht ist es einfach Pech. In jedem Fall ist eine Pause sinnvoll, um zu reflektieren, ohne weiteres Geld zu riskieren.

Diese Limits müssen vor dem Spielen festgelegt werden. Während einer Verlustphase ist man emotional nicht in der Lage, rationale Entscheidungen über Limits zu treffen. Die Limits müssen in Ruhe definiert und dann konsequent eingehalten werden. Keine Ausnahmen. Keine Ausreden. Wenn das Limit erreicht ist, ist Schluss.

Die Pause selbst sollte nicht zu kurz sein. Nach einem schlechten Tag reicht vielleicht ein Tag Pause. Nach einer schlechten Woche sollten es mehrere Tage sein. Nach einem schlechten Monat mindestens eine Woche, vielleicht zwei. Die Zeit nutzt man nicht, um über Wetten nachzudenken, sondern um Abstand zu gewinnen und die eigene Strategie kritisch zu prüfen.

Dokumentation: Wissen, was wirklich passiert

Ohne Aufzeichnungen ist Bankroll Management Blindflug. Man glaubt zu wissen, wie es läuft, aber die menschliche Erinnerung ist unzuverlässig. Gewinne werden überschätzt, Verluste unterschätzt oder vergessen. Muster bleiben unsichtbar. Fehler wiederholen sich.

Die Dokumentation muss nicht aufwendig sein. Eine einfache Tabelle reicht: Datum, Wette, Quote, Einsatz, Ergebnis, Gewinn oder Verlust, neuer Bankroll-Stand. Das sind sieben Spalten. Das Ausfüllen dauert Sekunden pro Wette. Der Nutzen ist enorm.

Nach einigen Wochen oder Monaten ermöglicht diese Dokumentation Analysen, die ohne Daten unmöglich wären. Welche Wettarten sind profitabel, welche verlustreich? Welche Ligen laufen gut, welche schlecht? Gibt es Muster bei den Verlusten – zum Beispiel viele Wetten am Abend, wenn man müde ist? Solche Erkenntnisse sind Gold wert, aber ohne Dokumentation unsichtbar.

Die Dokumentation dient auch der emotionalen Kontrolle. Wenn man nach einer Verlustserie glaubt, alles verloren zu haben, zeigt ein Blick in die Tabelle vielleicht, dass die Bankroll nur 15 Prozent kleiner ist als vor einem Monat. Das relativiert das Gefühl der Katastrophe und verhindert Panikentscheidungen.

Für Wetter, die das Kelly-Kriterium nutzen, ist Dokumentation noch wichtiger. Man muss nicht nur die Ergebnisse aufzeichnen, sondern auch die eigenen Wahrscheinlichkeitsschätzungen. Nur so kann man später prüfen, ob diese Schätzungen akkurat waren. Wenn die geschätzten 60-Prozent-Wetten langfristig nur zu 50 Prozent gewonnen werden, stimmt etwas mit der Analyse nicht.

Bankroll Management für verschiedene Wetttypen

Die bisherigen Prinzipien gelten für Einzelwetten. Kombiwetten erfordern zusätzliche Überlegungen.

Kombiwetten sind aus Sicht des Bankroll Managements problematisch. Die Wahrscheinlichkeiten multiplizieren sich, was bedeutet, dass selbst eine Dreier-Kombination mit drei 60-Prozent-Picks nur eine Gesamtwahrscheinlichkeit von etwa 22 Prozent hat. Bei fünf Picks sind es nur noch 8 Prozent. Die hohen Quoten reflektieren dieses Risiko – sie sind kein Geschenk.

Für Kombiwetten sollte der Einsatz deutlich niedriger sein als für Einzelwetten. Eine Faustregel: Für jede zusätzliche Auswahl in einer Kombiwette den Einsatz halbieren. Wenn der normale Einsatz 2 Prozent der Bankroll ist, wäre eine Zweier-Kombination bei 1 Prozent, eine Dreier bei 0,5 Prozent, eine Vierer bei 0,25 Prozent. Das reflektiert das erhöhte Risiko.

Noch besser: Kombiwetten ganz meiden. Die Mathematik spricht gegen sie. Professionelle Wetter setzen fast ausschliesslich Einzelwetten. Kombiwetten haben ihren Platz allenfalls als gelegentliche Unterhaltung mit Spielgeld, nicht als ernsthafte Strategie.

Live-Wetten erfordern ebenfalls besondere Vorsicht. Die schnelle Abfolge von Wettmöglichkeiten und die emotionale Intensität machen es leicht, die Kontrolle zu verlieren. Für Live-Wetten empfiehlt sich ein separates Budget innerhalb der Bankroll. Beispielsweise 20 Prozent der Gesamtbankroll für Live-Wetten reservieren. Wenn dieses Budget aufgebraucht ist, werden keine weiteren Live-Wetten platziert, auch wenn Pre-Match-Budget noch vorhanden ist.

Langzeitwetten auf Meisterschaften oder Turniersieger binden Kapital über lange Zeiträume. Das Geld ist nicht weg, aber es ist auch nicht verfügbar. Diese Wetten sollten in der Bankroll-Planung berücksichtigt werden, aber separat vom laufenden Wettkapital. Eine Empfehlung: Maximal 10 Prozent der Bankroll in Langzeitwetten binden, um genug Liquidität für das tägliche Wettgeschäft zu haben.

Der Schweizer Kontext

Schweizer Franken Münzen symbolisieren lokalen Finanzkontext

In der Schweiz ist Bankroll Management mit einigen Besonderheiten verbunden.

Die steuerliche Situation beeinflusst indirekt das Bankroll Management. Bei den lizenzierten Anbietern Sporttip und Jouez Sport sind Gewinne bis 1’070’400 Franken steuerfrei. Bei diesem Freibetrag können die allermeisten Hobbytipper ihre gesamte Karriere verbringen, ohne sich um Steuern sorgen zu müssen. Das bedeutet: Die Bankroll und die Gewinne sind brutto gleich netto. Bei internationalen Anbietern ist das anders – dort müssen Gewinne voll versteuert werden. Wer dort spielt, sollte die Steuerlast in seine Kalkulationen einbeziehen.

Die Währung spielt ebenfalls eine Rolle. Sporttip und Jouez Sport operieren in Schweizer Franken. Viele internationale Anbieter rechnen in Euro oder anderen Währungen. Währungsschwankungen können die effektive Bankroll beeinflussen, was ein zusätzlicher Faktor im Management ist. Für Hobbywetter ist das meist vernachlässigbar, für ernsthafte Wetter ein weiterer Punkt auf der Liste.

Die Spielerschutzmassnahmen der Schweizer Anbieter sind strenger als bei vielen internationalen Buchmachern. Man kann bei Sporttip und Jouez Sport Einzahlungslimits und Verlustlimits setzen, die dann auch durchgesetzt werden. Diese Funktionen sind nützliche Ergänzungen zum eigenen Bankroll Management – externe Kontrolle zusätzlich zur internen Disziplin.

Die langfristige Perspektive

Bankroll Management ist keine Strategie für schnelle Gewinne. Es ist eine Strategie für Langlebigkeit. Das Ziel ist nicht, in einem Monat reich zu werden, sondern über Jahre hinweg im Spiel zu bleiben und dabei die Chancen auf nachhaltigen Erfolg zu wahren.

Die realistischen Erwartungen sollten entsprechend angepasst sein. Selbst professionelle Wetter, die ihr Leben damit verbringen, erzielen langfristig vielleicht 5 bis 10 Prozent Rendite auf ihren Umsatz. Das ist profitabel, aber kein Weg zum schnellen Reichtum. Für Hobbywetter ist das realistische Ziel bescheidener: nicht verlieren. Den Unterhaltungswert geniessen, ohne die Bankroll zu zerstören. Wenn dabei gelegentlich ein Plus rausschaut, ist das ein Bonus.

Diese Perspektive nimmt Druck raus. Man muss nicht jede Wette gewinnen. Man muss nicht jeden Value ausnutzen. Man kann entspannt an die Sache herangehen, wissend, dass das Bankroll Management einem Zeit gibt. Zeit, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Zeit, Strategien zu testen und anzupassen. Zeit, besser zu werden.

Das ultimative Zeichen für gutes Bankroll Management ist Überleben. Wer nach einem Jahr noch wettet, mit einer Bankroll, die nicht dramatisch geschrumpft ist, hat mehr erreicht als die meisten. Wer nach fünf Jahren noch dabei ist, gehört zu einer kleinen Elite. Nicht weil er besonders clever ist, sondern weil er die Grundlagen befolgt hat.

Praktische Schritte für den Einstieg

Checkliste auf Papier mit abgehakten Punkten zeigt strukturiertes Vorgehen

Wer mit ernsthaftem Bankroll Management beginnen will, kann mit diesen Schritten starten:

Erstens: Eine realistische Bankroll festlegen. Ein Betrag, dessen Verlust verkraftbar ist. Nicht das gesamte Ersparte, nicht die Reserven, sondern echtes Spielgeld. Diesen Betrag auf einem separaten Konto oder zumindest klar dokumentiert halten.

Zweitens: Einen Einsatz pro Wette festlegen. Für Anfänger empfohlen: 2 Prozent der Bankroll. Bei 500 Franken Bankroll sind das 10 Franken pro Wette. Bei 1000 Franken 20 Franken. Diesen Prozentsatz konsequent einhalten, bei jeder einzelnen Wette.

Drittens: Verlustlimits definieren. Täglich maximal 5 Prozent der Bankroll verlieren. Wöchentlich maximal 10 Prozent. Monatlich maximal 20 Prozent. Bei Erreichen dieser Limits Pause einlegen.

Viertens: Dokumentation beginnen. Jede Wette aufschreiben, mit allen relevanten Daten. Wöchentlich die Tabelle durchsehen und den Bankroll-Stand prüfen.

Fünftens: Regelmässig evaluieren. Nach einem Monat, nach drei Monaten, nach einem Jahr prüfen: Funktioniert die Strategie? Stimmen die Prozentsätze? Müssen Anpassungen vorgenommen werden?

Diese Schritte sind nicht kompliziert. Sie erfordern keine besonderen Fähigkeiten. Was sie erfordern, ist Disziplin. Die Bereitschaft, sich an Regeln zu halten, auch wenn es schwerfällt. Die Fähigkeit, kurzfristige Impulse zugunsten langfristiger Ziele zu unterdrücken. Das ist der eigentliche Test – nicht die Mathematik, sondern die Selbstkontrolle.

Bankroll Management ist das Fundament. Ohne dieses Fundament stürzt alles andere ein. Mit diesem Fundament hat man zumindest eine faire Chance. Mehr kann man vom Wetten nicht erwarten.